TV Premiere // Yangon Calling - Punk in Myanmar

Leider habe ich bisher viel zu selten soviel für etwas in die Wagschale geworfen, wie für diesen Film. Es hat sich gelohnt. Yangon Calling ist fertig, ein Film über Punk in Myanmar. Seit ich vor zwei Jahren einen wackeligen Youtube Clip von einem burmesischen Punk Rock Konzert gesehen habe, war ich ziemlich besessen von dieser Geschichte. So ging es auch Carsten Piefke, mit dem ich auch bei diesem Film zusammen gearbeitet habe

Knapp sechs Wochen haben wir undercover in Myanmar gedreht. In einem Land, das ausländische Journalisten für gewöhnlich mit einem kräftigen Tritt in den Hintern zurück nach Bangkok befördert. Von den burmesischen Kollegen ganz zu schweigen. Es war manchmal etwas gruselig, ist aber alles gut gegangen. Es ist ein ausgesprochen angenehmes Gefühl, wenn das Flugzeug vom Boden einer Diktatur abhebt und im Rucksack zwischen schmutzigen Socken haufenweise Tapes und Speicherkarten liegen. 

Gerade hat es den Anschein, als ob sich die Lage in Myanmar entspannt, hoffen wir, dass es keine politischen Tricks sind und die Generäle irgendwann mit Karadzic in Den Haag sitzen. Glaub ich aber nicht und die burmesischen Punks am allerwenigsten. Abgesehen davon wüssten sie die Generäle vermutlich auch lieber mit Gaddafi in der Hölle schmoren. 

Entstanden ist dieser Film in Zusammenarbeit mit Kobalt Productions, der Berliner Produktionsfirma, der mein Co-Autor Peewee und ich seit Jahren sehr verbunden sind. Herzlichen Dank an Katrin Sandmann, Stefan Mathieu, Rene Päpke und Marek Weinhold, die alle ihren Teil zur Realisierung dieses Films beigetragen haben. Dank auch an Bela B, der das Projekt nach der ersten Email super fand und den Film gesprochen hat und an unsere Redakteurin Anja Fix beim ZDF. Besonderer Dank geht aber an die Punks in Myanmar, die uns an ihrem Leben haben teilnehmen lassen. 

Diesen Film zu machen war ein großes Abenteuer und ihn zu sehen, ist mindestens ein kleines. 

Yangon Calling - Punk in Myanmar läuft am  29.03.2012 um 21:55 Uhr auf ZDF Kultur. 

 

Pressetext: 

„Yangon Calling“ portraitiert eine Szene, deren Existenz wohl kaum jemand für möglich gehalten hätte: den burmesischen Punk-Underground. Punk ist in Myanmar weit mehr als nur die oberflächliche Kopie einer westlichen Jugendszene. Schließlich trifft die wohl rebellischste aller Subkulturen in der ehemaligen Militärdiktatur auf eines der autoritärsten Regime der Welt.

Für junge Burmesen ist Punk die Möglichkeit, der verhassten Regierung etwas entgegenzusetzen. Sie kritisieren in ihren Songs die soziale Ungerechtigkeit in Myanmar und fordern Freiheit und Menschenrechte. Denn trotz vorsichtiger Öffnung und der Freilassung von politischen Gefangenen in den letzten Monaten ist Myanmar weit davon entfernt, ein demokratischer Rechtsstaat zu sein.

Sechs Wochen drehten die Filmemacher Alexander Dluzak und Carsten Piefke ohne Genehmigung in Yangon. Sie schmuggelten sich als Touristen in das Land, filmten heimlich mit kleinen Kameras und erlangten Zugang zu einer Szene, die sich wegen den Repressionen durch die Regierung fast vollständig in den Underground zurückgezogen hat.

Den Filmemachern ist es gelungen, das Vertrauen der Punks zu gewinnen. Sie haben sie nach hause begleitet und ihre Freunde und Familien getroffen. Sie sind mit ihnen zur Arbeit in die Schneiderei und ins Tattoo-Studio gegangen, in geheime Proberäume und auf illegale Konzerte.

Seeleute brachten in den 90ern die ersten Punkrock-Kassetten in das abgeschottete Land. Seitdem ist in Yangon eine Szene mit mehreren hundert Anhängern entstanden. „The Rebel Riot“ ist die bekannteste Punkrock-Band in Yangon. Ihr Song „Saida“ gerade die Hymne der Szene. „Saida“ bedeutet Widerstand. “Wenn wir akzeptieren wie es hier zugeht, wird sich nie etwas ändern“, sagt Sänger Kyaw Kyaw, „ich tue alles, um die Leute in meinem Umfeld aufzuklären“.

Die Geschichte von Scum, einem anderen Yangoner Punk, zeigt, welche Konsequenzen es haben kann, in Myanmar aus der Reihe zu tanzen. Der 30jährige saß sechs Jahre im berüchtigten Yangoner Insein-Gefängnis. Ein Tütchen Marihuana, das die Polizei bei ihm fand, war ein dankbarer Anlass, einen Unruhestifter aus dem Weg zu ziehen. Seit zwei Jahren ist er wieder draußen, unbeugsam wie zuvor: „Wenn die Polizei mich wieder einsperren will, weil ich über Freiheit rede, dann sollen sie ruhig kommen, ich lasse mir von diesem verdammten Staat nichts mehr verbieten.“

Yangon Calling ist ein Film über das Leben in einem autoritären Staat, über persönliche Tragödien und den Kampf nach Freiheit in einem Land, in dem Punk noch echte Rebellion ist.

Regie und Kamera: Alexander Dluzak und Carsten Piefke

Schnitt: Carsten Piefke

Sprecher: Bela B